Wie man eine persönliche KI-Empfehlungsmaschine baut
Rehmo
Du hast Lust auf einen Film. Du öffnest Netflix, schaust dir 3 Trailer an, liest 2 Kommentare unter einem Reddit-Post, vergleichst noch schnell die Bewertungen auf einer anderen Plattform. 40 Minuten später hast du dich für einen Film entschieden. Nach 20 Minuten machst du ihn wieder aus, weil der Film langweilig ist.
Das ist normal. Das ist der Alltag von jedem, der zu viele Optionen hat und zu wenig Klarheit, was er eigentlich will.
Bei Marmelade (Ja MARMELADE) zeigt sich das gleiche Muster. Ein Supermarkt hat einmal 24 Sorten ausgestellt, ein anderes Mal nur 6. Bei 6 Sorten kauften 30% der Kunden. Bei 24 Sorten kauften nur noch 3%. Mehr Auswahl heißt nicht mehr Zufriedenheit. Mehr Auswahl heißt mehr Lähmung.
Ich kenne das mit Filmen, Rezepten, Büchern. Ich hab mir zu viele Kochbücher gekauft, zu viele Rezepte auf Instagram gespeichert, die ich nie gekocht habe. Zu viel Auswahl, zu wenig System.
Also hab ich mir eine Lösung gebaut. Eine Tabelle in Notion, kombiniert mit KI. Kein kompliziertes Tool, keine Programmierkenntnisse. Nur eine Tabelle mit meinen Kriterien und eine KI, die damit arbeiten kann.
Seitdem dauert die Filmauswahl bei mir keine 60 Minuten mehr. Sie dauert 30 Sekunden. Ich hab das über 30 Mal gemacht, und ich wurde nicht enttäuscht. Meine Freundin sagt inzwischen, dass wir nur noch gute Filme gucken.
In diesem Newsletter zeig ich dir, warum mehr Auswahl das Problem ist und danach zeig ich dir Schritt für Schritt, wie du deine eigene Kriterien-Filter-Methode baust. Für Filme, für Rezepte, für alles, wo du ständig zwischen Optionen hängst. Eine kostenlose Vorlage ist auch dabei, damit du direkt in die Umsetzung kommst.
Warum mehr Auswahl dich zurückhält (und was Verkäufer eigentlich damit zutun haben)
Stell dir vor, du gehst zu MediaMarkt und willst eine Kamera kaufen. Du stehst vor 100 Modellen. Ein Verkäufer kommt auf dich zu und fragt, wofür du sie brauchst.
Du sagst: für den Urlaub, um bessere Bilder als mit dem Handy zu machen, dass du nur Hobbyfotograf bist und das der Akku mindestens einen Tag halten sollte.
Der Verkäufer stellt noch 2, 3 Rückfragen. Am Ende zeigt er dir 3 Kameras statt 100. Nicht die teuerste mit Wechselobjektiven, keine riesige Ausrüstung, sondern etwas Handliches, das zu deinen Kriterien passt.
Was hier passiert, ist keine Magie. Der Verkäufer hat deine Kriterien genommen und die 100 Optionen darauf gefiltert. Er hat dir nicht mehr Informationen gegeben. Er hat dir weniger Optionen gegeben, aber bessere.
Genau das ist der Denkfehler, den die meisten Menschen bei Filmen, Rezepten oder Büchern machen. Sie suchen nach mehr Input. Mehr Trailer, mehr Bestenlisten, mehr Empfehlungen von Freunden. Dabei brauchen sie das Gegenteil: weniger Optionen, aber welche, die zu ihnen passen.
Ich hab das an mir selbst gemerkt. Ich liebe gute Filme, aber ich hab regelmäßig 30 bis 60 Minuten mit Suchen verbracht, bevor ich überhaupt angefangen habe zu gucken. Trailer checken, Bewertungen vergleichen, Genres durchklicken. Am Ende hab ich mich für irgendwas entschieden und war nach 20 Minuten wieder raus, weil es mich nicht interessiert hat.
Der Wendepunkt kam, als ich aufgehört habe, nach mehr Filmen zu suchen, und angefangen habe, meine eigenen Kriterien aufzuschreiben. Ich hab in Notion eine Tabelle angelegt. Jeder Film, an den ich mich erinnert habe, kommt rein: der Titel, wie ich ihn fand auf einer Skala von 1 bis 5, was mir gefallen hat, was nicht. Ich trage das per Sprachnotiz ein, dauert keine 30 Sekunden.
Notion hat KI direkt eingebaut, also Claude, ChatGPT oder Gemini, je nachdem was du eingestellt hast. Wenn ich Lust auf einen Film habe, frag ich einfach: Was soll ich heute gucken? Die KI kennt meine Tabelle. Sie weiß, was ich schon gesehen habe, was mir gefallen hat und was nicht. Sie schlägt mir 3 Filme vor, nicht 100.
Das ist der Aha-Moment: Es geht nicht darum, dass die KI mehr weiß als Google. Es geht darum, dass die KI dich kennt. Bewertungen von Fremden sind nicht deine Bewertung. Eine 8,5 auf einer Plattform sagt nichts darüber aus, ob der Film zu dir passt. Deine eigene Tabelle mit deinen eigenen Kriterien sagt das schon.
Ich hab das Prinzip inzwischen auch auf Essen übertragen. Eine Tabelle mit den Zutaten, die ich mag, den Geräten, die ich zu Hause habe, wie viel Zeit ich zum Kochen habe und wie viele Kalorien ich am Tag brauche. Die KI baut mir daraus Rezepte und sogar eine sortierte Einkaufsliste, nach Reihenfolge im Laden, mit einem Budget, das ich vorher festlege.
Das Prinzip dahinter nenn ich die Kriterien-Filter-Methode. Eine Tabelle mit deinen Kriterien + KI, die diese Tabelle kennt und für dich filtert. Kein kompliziertes System, keine 5 Apps, die du verbinden musst. Nur eine Tabelle und eine KI, die du sowieso schon nutzt.
Wie du das für dich aufbaust, zeig ich dir jetzt Schritt für Schritt.
Die Kriterien-Filter-Methode: So baust du deine eigene Empfehlungsmaschine
Bevor du anfängst: Du brauchst kein perfektes System am ersten Tag. Du brauchst eine Tabelle, ein paar ehrliche Einträge und die Bereitschaft, sie mit der Zeit zu füttern. Je öfter du sie nutzt, desto präziser wird sie.
1. Thema wählen
Wähle einen Lebensbereich, in dem du ständig zwischen Optionen hängst. Filme, Rezepte, Bücher, vielleicht sogar Berufswege. Fang mit einem Bereich an, nicht mit allen gleichzeitig.
Das Potenzial: du sparst dir bei genau diesem Bereich ab sofort die stundenlange Suche.
Das Problem, das es löst: die Überforderung, wenn 100 Optionen gleich aussehen.
Die Metapher: du bist der Verkäufer und der Kunde in einer Person, nur dass du die Fragen jetzt einmal beantwortest, statt jedes Mal neu.
2. Kriterien-Tabelle in Notion anlegen
Leg eine einfache Tabelle an. Spalten für das, was dir wirklich wichtig ist.
Bei Filmen: Genre, Bewertung von 1 bis 5, was dir gefallen hat, was nicht.
Bei Rezepten: Zutaten, Geräte, Kochzeit, Kalorien. Das Potenzial: du machst deine unbewussten Vorlieben sichtbar.
Das Problem, das es löst: du weißt eigentlich, was dir gefällt, aber nicht, wie du das strukturiert nutzen kannst.
Die große Idee: eine Tabelle ist kein Aufwand, sondern dein persönliches Gedächtnis für Geschmack.
3. Vergangene Entscheidungen eintragen
Trag ein, was du in den letzten Wochen gesehen, gekocht oder gelesen hast. Per Sprachnotiz geht das in unter 30 Sekunden.
Das Potenzial: die KI braucht Futter, um dich zu verstehen, und diese Einträge sind das Futter.
Das Problem, das es löst: ohne Historie gibt dir jede KI nur generische Antworten.
Beispiel: Nach dem letzten Film hab ich einfach gesagt, was mir gefallen hat und was nicht, und die Tabelle hat sich von selbst aktualisiert.
4. KI mit deinen Kriterien befragen
Frag die eingebaute KI direkt: Was soll ich heute gucken, kochen oder lesen, basierend auf meiner Tabelle? Sie kennt deine Einträge und schlägt dir 2 bis 3 Optionen vor, nicht 100.
Das Potenzial: die Entscheidung dauert 30 Sekunden statt 60 Minuten.
Das Problem, das es löst: die Lähmung durch zu viele Optionen.
Die Metapher: die KI wird zu deinem persönlichen Verkäufer, der dich schon kennt, bevor du den Mund aufmachst.
5. Empfehlung testen und Tabelle verfeinern
Nutze die Empfehlung, und trag danach ein, wie es war. Jede neue Erfahrung macht das System treffsicherer.
Das Potenzial: nach ein paar Wochen kennt die KI dich besser als eine aggregierte Bewertung im Internet.
Das Problem, das es löst: statische Empfehlungslisten, die nie lernen.
Beispiel: Nach über 30 Filmen, die ich so ausgewählt habe, war ich selten enttäuscht, und meine Freundin merkt, dass wir nur noch gute Filme gucken.
6. Auf weitere Bereiche ausweiten
Sobald das System für einen Bereich läuft, überträgst du das Prinzip auf den nächsten. Bücher, Berufe, Hobbys, sogar größere Lebensentscheidungen.
Das Potenzial: du baust dir mit der Zeit ein persönliches System, das dir in jedem Bereich Zeit und mentale Energie zurückgibt.
Das Problem, das es löst: die ständige Sorge, die falsche Entscheidung zu treffen, weil du nie alle Optionen kennst.
Die große Idee: du brauchst nicht mehr Informationen über die Welt. Du brauchst mehr Klarheit über dich selbst, und eine KI, die diese Klarheit kennt.
Du musst nicht alles auf einmal umsetzen. Eine Tabelle, ein Thema, ein paar ehrliche Einträge. Und das war's. Mehr musst du nicht machen.
